MUMBAI – Leopold Café

Das Leopold Café im Zentrum Mumbais in der SBS Road am Colaba Causeway wurde vor rund 150 Jahren von iranischen Einwanderern gegründet. Heute ist es der „Travellers Meeting Point“ für Backpacker. Anders als bei Touristen ist bei diesen Reisenden bereits der Weg das Ziel. Alt und Jung trifft sich hier.

Bei unserem letzten Besuch im Leopold lernten wir eine blutjunge Holländerin kennen, die einen riesigen Rucksack bei sich hatte. Man konnte kaum glauben, dass diese zierliche Gestalt ein solches Gewicht weiter als 20 Meter schleppen konnte. Wir setzten uns an ihren Tisch und sie erzählte, dass sie hier auf zwei Freundinnen wartet, mit denen sie dann durch Indien reisen wolle. Man sah sofort, dass sie dies nicht zu ersten Mal macht. Sie hatte sich eine Tomatensuppe bestellt und benutzte zum Essen der sehr heißen und scharfen Suppe ihren eigenen Löffel. Im Leopold ist das zwar nicht nötig, aber sonst ist es oft die einzig sichere Methode in Indien, dem „Land der Keime“, eine Infektion zu vermeiden.

Am Nebentisch saß ein sehr alter Australier. Seine ganze Haut sah aus wie Leder und im Gesicht hatte er tiefe Falten. Um seine langen, schneeweißen Haare trug er ein farbenfrohes Band. Er erinnerte mich ein wenig an Keith Richards, den legendären Lead- und Rhythmusgitarristen der Stones. Er war unterwegs nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias und hoffte, noch einen Mitreisenden zu finden.

Das Leopold Café war leider auch ein Ziel der Terroranschläge vom 26.11.2008. Gegen 21:30 Uhr kamen zwei der insgesamt 10 Terroristen in einem Taxi vor Leopolds Café an und eröffneten mit ihren Kalaschnikows sofort das Feuer. Auch Handgranaten wurden gezündet. Es gab 11 Tote, darunter ein deutsches Ehepaar und 28 Verletzte. Die Terroristen verschwanden dann, um im nahegelegenen Hotel Taj Mahal Palace weitere Mujaheddin zu treffen, die dort bereits ein Blutbad angerichtet hatten. Weitere Angriffsziele waren der Victoria Terminus, das Nariman House und das Hotel Oberoi. Insgesamt gab es 166 Tote und 304 Verletzte. Von den insgesamt 10 Terroristen starben 9 in Kämpfen mit den Sicherheitskräften. Der Überlebende wurde 2012 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Das Leopold Café wurde renoviert und nach wenigen Tagen schon wieder eröffnet. Die Einschusslöcher in den Postern an den Wänden wurden bewusst erhalten, um an den schrecklichen Angriff zu erinnern.

Die Leser von Gregory D. Roberts kennen das Leopold Café auch aus seinem Bestseller „Shantaram“. Absolut empfehlenswertes Buch!

CLM 08/2021

Beitragsbild: I, Greg O’Beirne, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

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